Marina Neumann aus Dallgow-Döberitz im Havelland ist die Initiatorin und Herz und Seele des Vereins. „Ich habe euch die Suppe eingebrockt“, sagt sie gern lachend.
Marina: „Im Frühjahr 2014 war es, als ich auf einer meiner Außendiensttouren einen Bericht im Radio über den qualvollen Tod der Kitze bei der Mahd hörte. Das berührte mich sehr und deswegen sah ich mir auf meinem Rückweg die gemähten Wiesen in der Nähe meines Zuhauses an. Ich brauchte nicht lange, da sah ich eine Ricke und ihr zermähtes Kitz. Das war so traurig, dass ich beschloss: Das muss anders werden! Zuhause berichtete ich meinem Mann Frank davon und er sagte mir seine Unterstützung zu. Wir fragten einen Landwirt in der Nachbarschaft, Willi Groß aus Dallgow, ob wir vor der Mahd seine Wiesen nach Rehkitzen absuchen könnten. Das fand er zwar erst seltsam, ließ uns aber bei seinen kleineren Wiesen absuchen. Auf dem ersten Feld (11 ha) fanden wir zwei Kitze. Insgesamt in dem Sommer 2014 fanden wir bei Willi auf mehreren kleinen Flächen sieben Kitze. Sieben Leben gerettet, doch was war mit all den anderen? Ich las viel über Rehe und habe mir im Laufe der Jahre ein breites Kitz- und Rehwissen angeeignet. Währenddessen beschloss Frank: Für eine umfassende und effektive Suche muss Technik her! Wir verzichteten auf unsere Urlaubsreisen und sparten auf eine Drohne mit Wärmebildkamera. Bis zum Frühjahr 2016 suchten wir zu Fuß einige Flächen für Landwirte mit einem Helferteam ab. Wir nutzten dabei verschiedene Vergrämungsvarianten. Flatterbänder, Haare und menschliche Witterung. Wir orientierten uns an Liegestellen und fanden tatsächlich so auch einige Kitze. 2017 war es so weit und unsere erste Drohne war im Einsatz. Wir standen im engen Austausch mit der Rehkitzrettung Osnabrücker Land. Sie waren damals die technischen Vorreiter und standen uns mit Rat und Tat zur Seite. Wir konnten nun mehr und größere Flächen effizient absuchen und retteten entsprechend mehr Kitze bei mehreren Landwirten. Rehkitzrettung bedeutet auch Rickenrettung!
Bald schon unterstützte uns der erste Jäger, Jochen Aderhold aus Wustermark. Durch ihn erweiterte sich der Helferkreis und mehrere Jäger und Landwirte haben sich der Kitzrettung angeschlossen.
Im Jahr 2021 gründeten wir beide, mit 5 weiteren Gründungsmitgliedern, den gemeinnützigen Verein Rehkitzrettung Brandenburg e. V.“
Frank: „Marina und ich wollten nicht nur der Rehkitzrettung ein Gesicht geben, sondern auch der möglichen vertrauensvollen und guten Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft und Jägerschaft. Unter diesem Aspekt entstand unser Vereinsmotto #bettertogether – Auf Augenhöhe gemeinsam mehr erreichen.“
Mittlerweile haben wir als Verein neben wichtigen Kontakten und damit verbundener Reichweite in Landwirtschaft und in Jagdverbände hinein auch eine große Helfergruppe für unsere Sache begeistern können. Gemeinsam engagieren wir uns als PilotInnen, HelferInnen sowie in der Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Kitzrettung.
2022 wurde unser Verein mit dem Wirtschaftsförderpreis Havelland in der Kategorie Landwirtschaft ausgezeichnet. https://www.havelland.de/wirtschaft-verkehr/wirtschaft/wirtschaftsfoerderung/wirtschaftsfoerderpreis/preisverleihung-2021-rueckblick-1/
Weiterhin gewannen wir im Jahr 2022 den PSD-Zukunftspreis der PSD Bank Berlin-Brandenburg eG.
Wir finanzieren uns aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und durch Bewerbungen auf öffentlich ausgeschriebene Fördergelder.


